Der aufgeklärte Patient in der Informationsgesellschaft

Ausgabe: 4/2001

47. Jahrgang

Alexander Lohner, Personalität und Menschenwürde. Eine theologische Auseinandersetzung

Höver, Gerhard

»Nach allgemeinem sittlichen Verständnis ist es nicht erlaubt, einen unschuldigen Menschen (d. h. einen Nicht-Aggressor) zu töten. In letzter Zeit haben jedoch Vertreter der sogenannten ›neuen Bioethik‹ einen Weg aufzuzeigen gesucht, wie eine solche Tötungshandlung unter bestimmten Bedingungen doch möglich und sittlich gerechtfertigt sein könnte.« So beginnt die vor kurzem als Habilitationsschrift von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München angenommene Arbeit von Alexander Lohner. Die sogenannte »neue Bioethik« ist mittlerweile selbst zu einer ebenso pluralen wie auch einflussreichen Richtung geworden. Sie hat eines gemeinsam, nämlich mit den Grenzen des Lebens in einer Weise umzugehen, die vom Hauptstrom der bisherigen Ethiktradition nicht nur partiell abweicht, sondern durch die Infragestellung des Menschenbildes geradezu in diametralem Gegensatz dazu steht. Die Begründung und Formulierung ethischer Grenzen im Umgang mit dem Leben sind seit jeher das entscheidende Bewährungsfeld von Moraltheorien. Wie die derzeitige Diskussion um die Stammzellenforschung zeigt, hat eine Relativierung des moralischen Status früher menschlicher Embryonen unabsehbare rechtsethische Folgen, die den bisherigen Verfassungskonsens infrage stellen. Insofern hat der Verfasser Recht, wenn er sich in seiner kritischen Auseinandersetzung mit der sogenannten »neuen Bioethik« auf die ethischen Fragen des Lebensbeginns konzentriert: »Die Embryonenschutzfrage ist in einem gewissen Sinne sogar der Prüfstein für die Angemessenheit unserer Moraltheorien und die Ernsthaftigkeit unserer ethischen Gesinnung überhaupt« (11). Denn bei allen anderen Problembereichen könnte jeder Diskursteilnehmer selbst »Objekt eines entsprechenden sittlichen Handelns werden « (11). Dies zeigt sich schon darin, dass einer der Protagonisten der »neuen Bioethik«, der australische Philosoph Peter Singer, im Hinblick auf das Lebensende nicht mit der gleichen Radikalität vorgeht, wie er es bezüglich des Lebensanfangs tut.

Zum vollständigen Artikel | Artikel bestellen

Zurück