Medizin - Religion - Gesellschaft

Ausgabe: 3/2004
(nur Online verfügbar)

50. Jahrgang

Krankheit und Heilung in der Theologie der frühen Kirchenväter

Schockenhoff, Eberhard

Über den medizinischen Kenntnisstand, die Stellung der Ärzteschaft und die Bewertung ihrer Heilkunst in der christlichen Antike sind wir durch die medizinhistorische Forschung der letzten Jahrzehnte gut unterrichtet. Eine jüngst erschienene theologische Monographie geht mit ihrer leitenden Fragestellung einen anderen Weg. Sie verfolgt die Verwendung des Christus-Medicus-Motivs und den Gebrauch medizinaler Metaphern in den Schriften der frühen Kirchenväter und fragt danach, wie sich diese mit grundlegenden Topoi der Christologie und Erlösungslehre, aber auch der theologischen Anthropologie (Verderbtheit des Menschen, Sünde als Krankheit, Umkehr und Buße als Heilungsgeschehen) sowie der Ethik (die Laster als Krankheiten der Seele, die Tugenden als Weg der Heilung und Reinigung) verbinden. Die ersten Kapitel geben zunächst einen Überblick über das religionsgeschichtliche Umfeld der biblischen Schriften, in dem das Gottesprädikat "Arzt" verbreitet ist. Der Verfasser schildert insbesondere den Asklepios-Kult und den Osiris-Mythos, die von den Kirchenvätern später als Ausgangspunkt einer überbietenden Typologie benutzt werden: der Vergleich mit der Heilkunst der antiken Götter erweist Christus als überlegenen Arzt und Heiler. Die gesamte griechische und römische Antike ist durch eine Wechselbeziehung zwischen Heilkult und Heilkunst gekennzeichnet, wobei ab dem ersten Jahrhundert eine Individualisierungstendenz (die persönliche Zuwendung der Gottheit zum Einzelnen nimmt verstärkt dessen individuelles Heil in den Blick) zu beobachten ist, von der vor allem die Verehrung des Asklepios profitiert.

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