Neurowissenschaften und Ethik

Ausgabe: 1/2006

52. Jahrgang

Wie viel Freiheit braucht Verantwortung? Ethische Implikationen neurowissenschaftlicher Studien

Quitterer, Josef

Experimentelle Studien legen nahe, dass die vermeintlich freien Handlungen ebenso den neuronalen Determinismen unterliegen wie die von uns als unfrei eingestuften Verhaltensweisen. Daraus leiten führende Neurowissenschaftler die Unmöglichkeit von Freiheit und moralischer Verantwortung ab. In meinem Beitrag zeige ich auf, dass in den maßgeblichen neurowissenschaftlichen Studien der freie Wille vorschnell mit bewusst überlegten Entscheidungen gleichgesetzt wird. Dieser starke Begriff der Willensfreiheit wird jedoch in alltäglichen moralischen Zuschreibungen nicht vorausgesetzt. Im Artikel wird deshalb anhand klassischer Modelle ein Begriff von Willensfreiheit vorgestellt, welcher zum einen neurobiologisch realistisch ist und zum anderen ausreicht, um Verantwortung weiterhin sinnvoll zuschreiben zu können.

Tags: Menschenbild

Experimental studies suggest that our supposedly free actions are just as much a product of neuronal determinisms as our behavioral reactions which we commonly regard as not free. Leading neuroscientists conclude that freedom and moral responsibility are impossible. This contribution aims to show that the relevant neuroscience studies identify free will and deliberate decisions. Such a strong concept of the free will, however, is not presupposed in everyday moral reasoning. Thus the paper develops a concept of the free will which is based on classical models, takes account of neuroscience and is sufficiently strong to support our attribution of moral responsibility.

Tags: image of man

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