Der leidende Patient - Antworten der modernen Medizin

Ausgabe: 3/2006
(nur Online verfügbar)

52. Jahrgang

Palliativmedizin – weit mehr als nur Schmerztherapie

Borasio, Gian Domenico;Volkenandt, Matthias

Schon die Definition der Weltgesundheitsorganisation macht deutlich, dass es sich bei der Palliativmedizin um weit mehr handelt als um eine »humanistisch angereicherte« Schmerztherapie. Das weit verbreitete Missverständnis, Palliativmedizin als »Schmerztherapie für Sterbende (Krebs)Patienten« zu verstehen, ist durch die klinische Realität widerlegt. Zum einen werden die Prinzipien der Palliativmedizin heute zunehmend auch auf nicht-onkologische Patientengruppen angewendet, insbesondere neurologische Patienten. Auch ist es allgemein akzeptiert, dass Palliativmedizin eine Betreuung für die letzte Lebensphase und nicht nur in der letzten Lebensphase ist. Palliativmedizin beginnt schon bei der Mitteilung der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung, und die Kommunikation mit Patienten stellt die wichtigste Säule der Palliativbetreuung dar. Innerhalb der Palliativbetreuung hat die psychosoziale und spirituelle Begleitung der Patienten eine mindestens ebenso große Bedeutung wie die medizinische Symptomkontrolle. Letztere kann in drei etwa gleich große Bereiche unterschieden werden: die Schmerztherapie sowie die Behandlung internistischer Symptome (Atemnot, gastrointestinale Symptome etc.) und neuropsychiatrischer Symptome (Depression, Delir, neurologische Ausfälle). Die Schmerztherapie macht infolgedessen nur etwa ein Sechstel der gesamten Palliativbetreuung aus. Ziel der Palliativmedizin ist es, im Sinne von Cicely Saunders »Räume zu schaffen«, um den Patienten ein erfülltes Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Tags: psychosoziale Betreuung Schmerztherapie Arzt-Patienten-Kommunikation

Tags: psychosocial support pain therapy patient-physician communication

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