Enhancement

Ausgabe: 4/2006

52. Jahrgang

Die "Natur des Menschen": Geworden und gemacht. Anthropologisch-ethische Überlegungen zum Enhancement

Clausen, Jens

Hier möchte ich der Frage nachgehen, ob die »Natur des Menschen« selbst eine Funktion in der Hinsicht übernehmen kann, dass sie in Fragen der Zulässigkeit von Eingriffen des Enhancement beim Menschen Orientierung bieten kann. Die Gründerväter der philosophischen Anthropologie eint die Auffassung, die »Natur des Menschen« zeichne sich durch einen »Doppelcharakter« aus. Gehlens Bestimmung des Menschen als Natur- und zugleich als Kulturwesen, findet sich auch in Plessners Gesetz von der natürlichen Künstlichkeit des Menschen. Die »Natur des Menschen« erschöpft sich demnach nicht in seinen biologischen Grundlagen, seiner Körperlichkeit, sondern das Kulturschaffen gehört gleichermaßen zum Wesen des Menschen wie sein physischer Körper. Insofern Kulturschaffen als ein Eingreifen in die vorgegebene Natur aufgefasst werden kann, ist die Veränderung der Natur durch den Menschen als anthropologische Konstante anzusehen. Der Mensch greift seit Beginn seiner Existenz in die Natur ein. Er muss dies sogar tun, um sich gegen die Widrigkeiten der Natur zu behaupten, um überleben zu können. Dies gilt allerdings nicht nur für die dem Menschen äußere Natur, seine Umwelt, sondern er greift beispielsweise mittels medizinischer Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten, zur Wiederherstellung von Gesundheit und zur Lebenserhaltung auch in seine eigene Natur, seinen Körper ein. Von solchen im weiteren Sinne therapeutischen Eingriffen unterscheiden sich Enhancement-Maßnahmen in erster Linie durch die Zielsetzung, der eine medizinische Indikation fehlt. Der Ausweis eines Eingriffs als Enhancement-Maßnahme hat allerdings nicht notwendigerweise die normative Implikation, dass er als unzulässig anzusehen ist. Wie Eingriffe in die außermenschliche Natur nicht schon bei der Überschreitung der Grenze der Selbst- und Arterhaltung ihre Legitimation verlieren, ist dies auch bei verbessernden Eingriffen in die menschliche Natur nicht zu erwarten. Allerdings muss dies wiederum nicht bedeuten, dass es für legitime Eingriffe in die menschliche Natur keine Grenze gibt. Inwiefern eine Orientierung oder sogar Limitierung durch die »Natur des Menschen« selbst erfolgen kann, ist näher zu beleuchten.

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