Entscheidungen am Lebensende

Ausgabe: 2/2008
(nur Online verfügbar)

54. Jahrgang

Mein Tod gehört mir – Überlegungen zu den Möglichkeiten und Grenzen einer Patientenverfügung

Fonk, Peter

Lebenserhaltende oder lebensverlängernde intensivmedizinische Maßnahmen dürfen sowohl nach einschlägigen Urteilen des Bundesgerichtshofes als auch gemäß den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Sterbebegleitung unterlassen oder gar nicht erst begonnen werden, wenn dies dem Willen des Patienten entspricht. Solange der Patient selbst äußerungsfähig ist, erscheint diese Auffassung relativ unproblematisch und lässt sich mit innerer Folgerichtigkeit aus dem Recht des Menschen auf freie Selbstbestimmung ableiten. Wie aber verhält es sich dann, wenn der Patient selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen aktuellen Willen zu artikulieren? Auch die in jüngster Zeit immer mehr in Gebrauch gekommene Patientenverfügung kann nur bedingt zur Lösung dieses Problems beitragen. Denn der Patientenwille, der durch diese Verfügung dokumentiert werden soll, wurde zu einem Zeitpunkt formuliert, als der Patient selbst möglicherweise keine näheren Vorstellungen von den konkreten Implikationen seiner späteren Erkrankung hatte. Anhand eines konkreten Fallbeispiels will dieser Beitrag aufzeigen, dass in Zweifelsfällen eine gesetzliche Regelung der Reichweitenbeschränkung einer Patientenverfügung keineswegs gesetzeswidriger Zwangsbehandlung Tor und Tür öffnet, sondern die staatliche Schutzpflicht für das Leben der Menschen sicherstellt. Damit erfüllt sie zugleich einen klassischen Grundsatz christlicher Ethik: »Im Zweifelsfall für das Leben.«

Tags: Sterbebegleitung Selbstbestimmung

Doctors in intensive care units may refrain from life saving or prolonging measures if that is the patients wish, according to relevant decisions by the Federal Court and guidelines of the Medical Board. As long as the patient can express himself this practice appears unproblematic and no more than a consequence of the patients right to self-determination. But what if the patient can no longer express himself? Advance directives can only partly solve the problem. For the patient’s will that a directive documents was formed in a situation in which the patient possibly had no concrete idea of the implications of his disease. With reference to a specific case the article attempts to show that in a situation of doubt a law that restricts the reach of an advance directive, far from opening the door for forced therapy, safeguards the state’s obligation to protect the lives of its citizens. At the same time such a law meets one of the principles of Christian ethics: in dubio pro vita.

Tags: terminal care self-determination

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