Entscheidungen am Lebensende

Ausgabe: 2/2008
(nur Online verfügbar)

54. Jahrgang

Solidarität. Kein Dammbruch-Argument

Splett, Jörg

Der gerät dadurch in eine Aporie. »Entweder er bleibt bei seinem Urteil über die absolute Sinnlosigkeit dieses Leidens. Dann wird es einen Augenblick geben, von dem an er den Sterbenden mit sich allein lässt; wo er zum anderen (wenn auch nur unausgesprochen) sagen muss: ›Jetzt ist unser gemeinsamer Kampf um deinen Lebenssinn zu Ende. Von nun bist du bloßer Spielball einer Macht, die allen Sinn verweigert. Ich aber bleibe auf einem Feld zurück, wo der Kampf des Sisyphos, wenn auch absurd und nie gewonnen, so doch vielleicht nicht ganz ohne Sinn ist.‹ – Oder aber die Entscheidung zu äußerster Solidarität veranlasst den Anwalt der Anklage, seinen Mandanten auch bei diesem letzten Schritt in die Sinnlosigkeit hinein nicht allein zu lassen, ihm vielmehr zu signalisieren: ›Ich versuche mitzugehen.‹«Das verwandelt die Situation. »Mit dem Schritt auf jenes Dunkel zu muss der solidarisch Mitgehende eine Hoffnung auf Sinn wider allen Anschein von Sinnlosigkeit setzen, gleichsam blanko einen Scheck unterschreiben, den nur der einzulösen vermöchte, ›über den hinaus Größeres nicht gedacht werden kann.«

Zum vollständigen Artikel | Artikel bestellen

Zurück