Entscheidungen am Lebensende

Ausgabe: 2/2008
(nur Online verfügbar)

54. Jahrgang

Jean-Pierre Wils, ars moriendi. Über das Sterben, Frankfurt a.M. (Insel) 2007, 285 Seiten.

Bergdolt, Klaus

Er stützt seine Forderung zunächst auf philosophische, literarische und ärztliche Stimmen, die in der Vergangenheit, vor allem in der Antike und der Frühen Neuzeit, zum Thema Sterbehilfe bzw. Suizid laut wurden. Beeindruckend erscheint hier besonders das Kapitel über die philosophisch-anthropologische Bedeutung von Schmerz und Leiden (45 ff). Pro- und Contra-Argumente werden gegeneinander gestellt, wobei Wils’ Sympathien für die Freigabe der aktiven Euthanasie klar zu Tage treten. Wie nicht wenige Theologen, die sich mit bioethischen Fragen beschäftigen, versucht der Autor jeden Verdacht religiöser Voreingenommenheit durch vehemente Kritik an traditionellen kirchlichen Deutungsansprüchen vom Tisch zu wischen, um sich dann – im weitesten Sinn – auf utilitaristisch-liberale Traditionen zu berufen. Die fiktionale Literatur stellt für ihn, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Theorien von Paul Ricoeur und Arthur C. Danto, einen wichtigen Zugang zu diesem delikaten Problemfeld dar. Sein eigentliches Interesse gehört hier freilich, obgleich er auf interessante Passagen bei Daudet, Valery, Cioran, Hürlimann u. a. eingeht, anglo-amerikanischen Autoren, die den Sterbeprozess in eindringlicher, fast aggressiver Subjektivität schildern.

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