Verantwortliches Entscheiden in der Medizin

Ausgabe: 3/2010

56. Jahrgang

Zum Verhältnis von Krankheitsbegriff, Normativität und Anthropologie in der daseinsanalytischen Psychiatrie und Psychotherapie

Töpfer, Frank

Die Diskussion um einen allgemeinen Krankheitsbegriff thematisiert u. a. dessen mögliche normative Implikationen. In der Daseinsanalyse, einer psychiatrischen und psychotherapeutischen Richtung, die sich anthropologischen Einsichten Heideggers anschließt, hat die Normativität des Krankheitsbegriffs zentrale Bedeutung: Psychisches Kranksein wird verstanden als Normverfehlung. Diese soll – so der Anspruch – nicht von einem objektivierenden Außenstandpunkt, sondern nach immanenten Maßstäben des individuellen Daseins festgestellt werden. Gehen hierin die beiden Hauptvertreter der Daseinsanalyse, Ludwig Binswanger und Medard Boss, einig, weisen ihre Konzeptionen auch Unterschiede auf: Hält Binswanger mit Heideggers Sein und Zeit am Verständnis des Menschen als Selbstverhältnis fest, wird der Mensch bei Boss, orientiert am späteren Heidegger, entsubjektiviert. Das hat Folgen für den Anspruch, menschliches Dasein mit dem Krankheitsbegriff nicht einer äußerlichen Norm zu unterwerfen: Die anthropologischen Bedingungen seiner Erfüllung lassen sich mit der quasi-naturalistischen Ent-Subjektivierung nicht einlösen. Das hat Konsequenzen auch ethischer Art.

Tags: Daseinsanalyse Anthropologie

Tags: Daseinsanalysis Anthropology

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