Verantwortung in der Medizin

Ausgabe: 3/2011

57. Jahrgang

Public-Health-Praxis braucht Berufsethik. Plädoyer aus historischer Perspektive

Hien, Wolfgang

Die Frage nach einer Public-Health-Ethik stellt sich in dem Maße, wie in der gesundheitswissenschaftlichen Praxis Handlungsprobleme und Dilemmata auftreten. Anknüpfend an die Idee einer Bereichsethik wird im Folgenden für deren Erweiterung im Sinne einer Berufsethik plädiert. Dies geschieht aus einer historischen Perspektive, die an der Idee einer sozialen Medizin bzw. sozialen Hygiene anknüpft. Sozialethisch handelt es sich um eine Überwindung des Barmherzigkeits-Gedankens hin zu einer an sozialer Gerechtigkeit orientierten Handlungsmaxime, die auch dem »Schwachen« einen konsequenten Schutz angedeihen lässt. Dies wird illustriert am Beispiel der Auseinandersetzungen um eine Gewerbe hygiene Anfang des 20. Jahrhunderts. Der vorliegende Beitrag versucht zu zeigen, dass Public Health in der täglichen Praxis einer die Bereichsethik ergänzenden persönlichen Verantwortungsethik bedarf, welche sich die Sorge um den anderen Menschen und zugleich dessen Autonomie zur Richtschnur macht.

Tags: Verantwortung

The need for public health ethics arises from practical problems and dilemmas in the health sciences. Starting out as an area of applied ethics it ought to be enhanced to become a professional ethics. This can be done from an historical perspective that takes up the idea of social medicine or social hygiene. From the point of view of social ethics the move can be described as replacing the notion of compassion by the maxim of social justice, which offers clear protection to the »weak«. An example is the debate about professional hygiene at the beginning of the 20th century. In daily practice public health requires an idea of personal responsibility which – beyond the relevant applied ethics – takes the care of others and their autonomy as a guiding principle.

Tags: responsibility

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