Doping in der Sportmedizin

Ausgabe: 4/2011

57. Jahrgang

Florian Bruns, Medizinethik im Nationalsozialismus. Entwicklungen und Protagonisten in Berlin (1939–1945), Stuttgart (Franz Steiner) 2009 (Geschichte und Philosophie der Medizin Bd. 7), 225 Seiten

Hohendorf, Gerrit

Neben Rücksichtnahme auf die Auslandspropaganda und die durch Adolf Hitler gestoppte Euthanasie-Aktion in den »Irrenanstalten« des Reiches führte er ein medizinethisches Argument ins Feld, nämlich dass »von altersher die allgemeine Auffassung vom ärztlichen Tun und Handeln dahin geht, ›dem armen, unschuldigen Kranken sein Leben möglichst lange zu erhalten und seine Leiden zu mildern‹.« (Klaus Dörner/Angelika Ebbinghaus/Karsten Linne, Mikrofiche-Edition des Nürnberger Ärzteprozesses, München 1999, 3/4440–4446). Schließlich entschied sich Heinrich Himmler auf die Bedenken von Kurt Blome hin gegen die Tötungsaktion. Dieses Beispiel zeigt, dass sich die nationalsozialistische Führung bei Planung und Durchführung von Massenvernichtungsaktionen nicht einfach in einem moralfreien Raum bewegt hat. Vielmehr, und das gilt für den Bereich der Medizin und der Gesundheitspolitik in besonderem Maße, bemühte sich die nationalsozialistische Führung und die SS um eine (scheinbare!) moralische Legitimation des eigenen Handelns und um die Einbindung in historische Traditionslinien. Von daher erklärt sich die zunächst paradox anmutende Tatsache, dass die Fächer der Medizingeschichte und der Medizinethik in Deutschland in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges eine Aufwertung und institutionelle Förderung erfahren haben.

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