Perspektiven medizinischer Ethik

Ausgabe: 1/2012

58. Jahrgang

Das Menschenbildder Leistungsgesellschaft und die Irritation Demenz

Körtner, Ulrich H. J.

Für die moderne Leistungs- und Wissensgesellschaft stellt Demenz nicht nur eine Irritation, sondern eine Provokation dar, die dazu herausfordert, über unterschiedliche Begriffe von Krankheit und Gesundheit, Subjekt, Person, Identität und Autonomie nachzudenken. Dabei werden auch Einsichten einer christlichen Anthropologie ins Spiel gebracht. Ausgangspunkt der anthropologischen Überlegungen sind kritische Reflexionen über das Verständnis von Bewusstsein, Geist und Verstand. Kritisiert wird ein Menschenbild, das Subjektivität und Personsein einseitig an kognitive Fähigkeiten bindet. Diese Kritik hat Konsequenzen für das Verständnis der Autonomie von Demenzkranken, die am Beispiel der Patientenverfügung diskutiert werden. Demenz konfrontiert Menschen auf extreme Weise mit Erfahrungen von Verlust, Abhängigkeit, Hilfsbedürftigkeit und Passivität, die grundlegend zum Menschsein gehören. Die dadurch angestoßenen Reflexionen über die Fragmenthaftigkeit des menschlichen Daseins münden in Reflexionen über den ethischen Sinn von Resignation als wissenden Vollzug unserer Endlichkeit.

Tags: Identität Autonomie Passivität

Tags: identity autonomy passivity

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