Beziehung in der medizinischen Ethik

Ausgabe: 4/2012

58. Jahrgang

Medizin und Spiritualität – was macht uns heil?

Ewig, Santiago

Erstens: Wenn ich von der »Medizin« und dem »Medizinbetrieb« spreche, arbeite ich mit einer Zuspitzung. Im Bewusstsein, dass die Wirklichkeit zu komplex ist, um in der notwendigen Kürze mit hinreichender Differenziertheit von der Medizin und ihrem Betrieb zu sprechen, zeichne ich ein Bild, das aus meiner Sicht vorherrschende Realitäten und Tendenzen zu Ende denkt. Dazu bedarf es des bösen Blickes des Kurzsichtigen, der nahe hinsieht. Ich klammere dabei alle offenkundigen Errungenschaften der Medizin aus, derer ich mir sehr bewusst bin. Schon gar maße ich mir keinerlei Urteil über die Motive der Handlungen meiner Kollegen an. Ich begreife die Medizin ohnehin wie alle Kultur als eine komplexe, prinzipiell nicht auflösbare Ambivalenz. Ich nehme hier in meinem Vortrag Bezug auf theoretisch und institutionell begründete, global wirksame Entwicklungstendenzen, innerhalb derer sich alle bewegen müssen, die ärztlich, pflegerisch, seelsorgerlich oder in der Sozialarbeit tätig sind. Zweitens: Ich muss bezeichnen, was wir im Rahmen dieses Beitrages unter »Spiritualität « verstehen wollen. Gemäß dem Lexikon für »Theologie und Kirche« steht das Wort heute synonym für »Frömmigkeit«, bezieht sich jüngst aber auch auf »vagabundierende, weder dogmatisch noch institutionell festgelegte Religiosität«. Es folgt: »Allgemein besagt heute ›Spiritualität‹ eine Mentalität, die sinngebend die Tatsachenwelt übergreift«. In christlicher Deutung heißt es dann: »Christliche Basis [für die Spiritualität; S. E.] ist der Geist Gottes, der sich in der Schöpfung vielfältig äußert, in dem Jesus zu uns spricht und im Kairos der Geschichte wahrnehmbar wird.«

Zum vollständigen Artikel | Artikel bestellen

Zurück