Patientenautonomie zwischen Individualisierung und Technisierung

Ausgabe: 1/2013

59. Jahrgang

Leibliche Autonomie Zum Umgang mit Ambivalenzen des Autonomiebegriffs in der »individualisierten Medizin«

Wabel, Thomas

Auch wenn das Ideal einer »individualisierten Medizin« mit genombasierter Prädiktion von Erkrankungsrisiken und differenzierten Therapieangeboten noch in weiter Ferne liegt, gilt die zunehmende Individualisierung etwa in der Krebsmedizin als Gewinn an Autonomie für den Patienten. Gleichzeitig wird vor Entsolidarisierungseffekten gewarnt, wenn die Möglichkeiten prädiktiver Diagnostik und Prävention dazu führen, dass die Verantwortung für die Ermittlung des genetischen Risikos und für Präventionsmaßnahmen dem Einzelnen zugeschrieben wird. Der Beitrag argumentiert, dass die Einschätzung des Für und Wider wesentlich vom Verständnis der Begriffe von Risiko und Autonomie bestimmt wird. Ein zu enges Verständnis von Autonomie als Freiheit von Zwang und Möglichkeit eigenverantwortlicher Entscheidung trägt zu einer Individualisierung von Verantwortung bei, die Autonomie de facto einschränkt. Mit Hilfe der systemtheoretischen Figur des »Wiedereintritts des Ausgeschlossenen« (re-entry) und des phänomenologischen Leibbegriffs schlage ich ein erweitertes Konzept »leiblicher Autonomie« vor. Ziel von Autonomie in diesem Sinne ist es, ein Verhältnis zu den Grundlagen von Leben und Gesundheit zu entwickeln, die außerhalb des Zugriffs eigenverantwortlichen Handelns liegen.

Tags: individualisierte Medizin Leib Solidarität

Tags: genetic risk personalised medicine solidarity

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