Biomedizin am Lebensanfang

Ausgabe: 2/2003

49. Jahrgang

Ethische und psychosoziale Implikationen der Stammzelltransplantation bei nichtverwandten Spendern

Gross, Dominik;Rautenberg, Ulrike;Rutt, Claudia

Die Stammzelltransplantation hat sich in den vergangenen Jahren zu einem erfolgreichen Verfahren in der Therapie zahlreicher Erkrankungen entwickelt. Allerdings ist auffällig, dass sich die meisten Fachbeiträge mit medizinischen Fragen rund um die Transplantation oder aber mit den psychosozialen Folgen für den Empfänger und den Familienspender beschäftigen. Die besonderen ethischen und psychosozialen Implikationen der Stammzelltransplantation bei freiwilligen, nichtverwandten Spendern gelangten demgegenüber bis dato kaum zur Darstellung. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag die möglichen Folgen der Stammzellübertragung aus der Sicht des Fremdspenders, beginnend mit der Registrierung als möglicher Donor bis zur Phase nach erfolgter Übertragung. Dabei lässt sich zeigen, dass die Fremdspende eine Reihe ethischer und psychosozialer Implikationen birgt – angefangen von der Angst des Spenders, aus medizinischen Gründen »ausgesondert« zu werden, über das Risiko der eigentlichen Spende, die Furcht, als Forschungsobjekt zu dienen, die Angst vor dem Zusammentreffen mit dem Empfänger und der Verpflichtung zu weiteren Spenden bis hin zu potentiellen Belastungsfaktoren, die aus der zu investierenden Zeit, der Frage der adäquaten finanziellen Entschädigung, dem Gebot der Anonymität oder der Notwendigkeit einer langfristigen und regelmäßigen medizinischen Nachkontrolle resultieren – um nur einige Aspekte zu nennen. Die vorliegende Analyse unterstreicht den enormen Forschungsbedarf bezüglich der Fremdspende von Stammzellen – nicht nur in medizinischer, sondern vor allem auch in ethischer und psychosozialer Hinsicht.

Tags: Spender Medizinische Ethik Psychosoziale Effekte

Stem cell transplantation is used successfully as a therapy for a growing number of diseases. But most of the research concerns the medical aspects of transplantation or the psychological and social effects on the recipient and the organ donor who is the recipient’s relative. In contrast, the ethical as well as psychological and social effects on volunteer donors who are not related to the recipient have received little attention. The present article examines the ethical as well as psychological and social impact of donating bone marrow to a non-relative. Possible side effects at any point of the donation process – prior to, during and after transplantation – are discussed. Anonymous donation can certainly cause adverse ethical as well as psychological and social consequences. Potential risks result from the donor’s anxiety of being rejected for medical reasons, the stem cell donation itself, the fear of becoming an object of research, the fear of meeting the patient and being asked for further cell donations, or from obliga-tions to commit one’s time, and from issues such as financial rewards, anonymity or availability for long term follow up studies – just to mention a few. Our findings suggest that special attention should be paid to stem cell donors who are not relatives of the recipient – not only in medical, but also in ethical as well as psychological and social respects.

Tags: donor medical ethics psychological and social effects

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