Biomedizin am Lebensanfang

Ausgabe: 2/2003

49. Jahrgang

Stephan Ernst (Hg.), Machbarkeit des Menschen? Theologie angesichts der Macht der Biomedizin, Münster u. a. (Lit) 2002 (Symposion. Anstöße zur interdisziplinären Verständigung; Bd. 3), 131 Seiten.

Bernhard Nacke/Stephan Ernst (Hgg.), Das Ungeteiltsein des Menschen. Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik, Mainz (Matthias-Grünewald-Verlag) 2002 (Christentum und Gesellschaft. Perspektiven für das 21. Jahrhundert; Bd. 4), 256 Seiten.

Buch, Alois Joh.

Auf dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Diskussion der biotechnischen Entwicklung und insbesondere der Stammzellenforschung veranstaltete die Katholisch-theologische Fakultät der Universität Würzburg einen Studientag, der sich angesichts der über »naturwissenschaftliche Sachfragen« hinaus »relevanten Sinndeutung dessen, was der Mensch sein soll«, einer »Selbstbesinnung der Theologie auf ihre Sinnressourcen im Blick auf die anstehenden Fragen der Biomedizin« (11) widmete. Der erste der vorstehend genannten Bände enthält im Kontext dieses Studientages entstandene Beiträge, deren Intention weniger auf interdisziplinäres Streitgespräch als vielmehr vornehmlich auf innertheologische Verständigung und Klärung zielt. Vorangestellt wird eine Erörterung zu Situation und Perspektiven der Forschung insbesondere an embryonalen und adulten Stammzellen (A. Müller), im Wesentlichen ein Überblick über Kenntnisstand, Optionen und Forschungsbedarf der Stammzellbiologie, speziell auch der Gewinnung von pluripotenten embryonalen Stammzellen, verknüpft mit dem Votum für deren streng reglementierte Erforschung, »um ihr therapeutisches Potenzial untersuchen zu können« (21). Die theologischen Reflexionen gehen zum einen in moraltheologischer Absicht dem »Konflikt zwischen einer Ethik des Heilens […] und dem möglichst umfassenden Schutz menschlichen Lebens« (25) nach (St. Ernst), vor allem durch Sichtung der hierzu üblicherweise vorfindlichen Argumentationen, die hinsichtlich etwa der ›Güterabwägung‹ allenfalls aus ihren Gegenargumenten, zum sogleich postulierten sittlichen Gebot des Lebensschutzes (26) jedoch erst aus der hier zumal theologisch nur begrenzt angegangenen Begründung – z. B. im Kontext des Status des Embryos – ethisch überzeugend Kontur gewinnen können (cf. 29 ff, auch 38). Verf. verweist hierzu zu Recht auf die Beachtung der hermeneutischen Bedingungen der ethisch-relevanten (›verdinglichenden‹ oder aber ›personalisierenden‹) Interpretation der Lebenswirklichkeit (auch) des Embryos (36). Sodann findet sich eine fundamentaltheologische Problematisierung der »Definitionsmacht, ab wann und wie lange die Realität Mensch mit dem Zeichen ›Mensch‹ belegt werden muss« (41) und folglich mit entsprechender Schutzgarantie versehen ist (H.-J. Sander) – eine »Machtfrage des menschlichen Lebens« (44), wozu in personal deutender Hinsicht theologisch »kein anderer Ursprung als der früheste angenommen« (42) wird; Verf. sieht dies nochmals aus der christlichen Betrachtung des ›realen Endes‹ des Menschen (45) – nicht als »Opfer der Gewalt von und unter Menschen« (46), sondern allenfalls als Opfer wider Gewalt – bestätigt, woraus sich verbrauchende Embryonenforschung in der »Ohnmacht des menschlichen Lebens in seinem Anfangsstadium « als »heillose Gewalt« zeige (49). Weitere Beiträge untersuchen kontextbezogene Aussagen des Alten und des Neuen Testaments (Th. Seidl, B. Heininger) sowie der sich gerade zum Embryo von christlicher Ethik unterscheidenden und insoweit heutige Forschungspraxis erhellenden Perspektiven aus der jüdischen Halacha (K. Müller) – verbunden mit eher prinzipiellen Hinweisen über ›Macht und Ohnmacht‹ der Medizin und besonders zum biblischen Verständnis von Heilung, die zugleich auf grundsätzliche Anfragen zu Grund und Intention sachgerechter religiös-theologischer Argumentation im Feld der Biomedizin aufmerksam werden lassen (bes. 62).

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