Medizin zwischen Heilauftrag und technischer Innovation

Ausgabe: 2/2014

60. Jahrgang

Gebhard Fürst/Dietmar Mieth (Hrsg.), Entgrenzung des Menschseins? Eine christliche Antwort auf die Perfektionierung des Menschseins? Paderborn (Ferdinand Schöningh) 2012, 153 Seiten.

Baltes, Dominik

Seit einigen Jahren wird in der bioethischen Diskussion eine breite Debatte über Maßnahmen des Enhancements, der Verbesserung und Steigerung menschlicher Fähigkeiten, geführt. Zwischenzeitlich liegen neben vielen Sam­melbänden im deutschen Sprachraum (z.B. Schöne-Seifert u.a. 2009) auch einige Dissertationen aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich vor (z. B. Heilinger 2010; Runkel 2010). Vorliegender Band reiht sich in diese Auseinandersetzung über die Veränderung und Verbesserung des Menschen ein. Im Untertitel findet sich die programmatische Ankündigung einer christlichen Antwort auf die Perfektionierung des Menschen. Diese Ankündigung darf man wohl als ein ambitioniertes Projekt auffassen. In ihrer Einleitung nehmen die Herausgeber auf die breite Diskussionslage Bezug, in der es um Verbesserung des Menschen – mitunter auch lediglich die Heilung bestimmter Be­einträchtigungen – aber auch, wie im Transhumanismus, um die gänzliche Veränderung menschlicher Wesenskonstitution geht (8 ff). Freilich kann konstatiert werden, dass das Übersteigen von bisher dem Menschen gesetzten Grenzen wohl eine anthropologische Konstante darstellt. Die sich angesichts der rezenten Diskussion stellende Frage lautet nach Ansicht der Herausgeber, ob es um neue Grenzen bzw. Grenzziehungen geht oder nicht vielmehr um den Impetus alle Grenzen hinter sich zu lassen (9). Habe beispielsweise der theologische Zugang zum Menschen die zentrale Frage gestellt, woraus der Mensch seine Perfektibilität ziehe, so frage die – mit Francis Bacons Novum Organon einsetzende – neuzeitliche Wissensgesellschaft danach, woraufhin der Mensch zu optimieren sei (9). Die in den angedeuteten Kontexten sich eröffnenden Fragestellungen wie diejenige nach Kontingenz und Endlichkeit menschlichen Daseins, nach dem Umgang mit Leid und Einschränkungen sind genuine Gegenstände auch theologischer Reflexion. [...]

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