Advance Care Planning

Ausgabe: 3/2018

64. Jahrgang

Advance Care Planning (ACP) - Wider die ethischen Reduktionismen am Lebensende

Schuchter, Patrick;Brandenburg, Hermann;Heller, Andreas

Advance Care Planning (ACP) zielt darauf, erstens Menschen durch einen organisierten Kommunikationsprozess dabei zu unterstützen, künftige Behandlungsentscheidungen zu antizipieren und zu planen für den Fall, dass sie einmal nicht mehr in der Lage sein sollten, selbst entscheiden zu können. Zweitens geht es darum, die Zusammenarbeit und Kultur im professionellen Versorgungssystem so zu verändern, dass Entscheidungen/Patientenverfügungen tatsächlich auch respektiert werden (respecting choices). ACP-Initiativen haben im deutschen Sprachraum Konjunktur. Es scheint, diese werden wie selbstverständlich als »gut« qualifiziert und alternativlos dargestellt. In unserem Beitrag setzen wir uns kritisch mit einigen Dimensionen und Entwicklungen von ACP auseinander. Vier »ethische Reduktionismen«, die in Konzept und Praxis von ACP (implizit) transportiert werden, können beobachtet werden: 1) folgenschwere Verkürzung des »Care«-Begriffs auf »Behandlung« und von »Vorsorge« auf »Planung«; 2) Verengung des möglichen Gesamtbereichs ethischer Fragen und ethischer Inhalte auf moralische Dilemmata bei Behandlungsentscheidungen (am Lebensende); 3) überzogene Vorstellung der Bedeutung von Autonomie; 4) Ausblenden strukturell und institutionell bedingter Machteffekte. Abschließend verweisen wir auf den Ansatz der »Sorge-Gespräche« (Care-Dialogs) und den »Caring-Community«-Ansatz, die als grundsätzlich alternative Denkrahmen, aber – um realistisch zu bleiben – zumindest auch als komplementär ergänzende Ideen gesehen und in produktiver Verknüpfung mit ACP mitentwickelt werden könnten.

Tags: Care Gespräche Vorsorge Sorgende Gemeinschaften gesundheitliche Vorausplanung

Advance Care Planning (ACP) aims at, firstly, supporting people to anticipate and to plan choices for treatment options at the end of life through an organized process of communication. Secondly, changing (culture in and between) health care institutions is necessary in order to assure that treatment decisions and preferences will be respected. Currently, ACP-Initiatives are »booming« in German speaking countries. It seems that ACP and these initiatives are taken for granted to be »good« and without any alternative. In our article, we illuminate some critical dimensions of ACP. We observe four »ethical reductionisms« which are carried within the concept and the practice of ACP: 1) a narrowing of »care« to »(medical) treatment« and of »advance care« to »planning«; 2) a problematic narrowing of what counts as »ethical questions«; 3) an excessive concept of and exaggerated expectations towards »autonomy«; 4) a neglect of the relations and the effects of power due to institutional and organizational contexts. Finally, we discuss the Care-Dialog-approach and the Caring-Community-approach as fundamentally different frames of thinking, but also – to remain realistic – as possible complementing ideas, which could be realized alongside or in a productive exchange with ACP.

Tags: Ethics Care Dialogs

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