Präimplantationsdiagnostik und Lebensschutz

Ausgabe: 4/2003

49. Jahrgang

Donna L. Dickenson (Hg.), Ethical Issues in Maternal-Fetal Medicine, Cambridge (Cambridge University Press) 2002, 353 Seiten.

Quante, Michael

Erkenntnisfortschritte im Bereich der Medizin oder der Humangenetik auf der einen sowie neue technische Optionen auf der anderen Seite haben Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen der Schwangeren und dem beginnenden menschlichen Leben. Dieser Veränderungsprozess des Umfeldes menschlicher Fortpflanzung wäre ohnehin schon irritierend und ethische Reflexionen provozierend genug. Doch zusätzlich findet er gegenwärtig statt im Kontext sich wandelnder Wertvorstellungen, vor allem vor dem Hintergrund einer zunehmenden Akzeptanz der ethischen Dominanz individueller Autonomie, unter die für viele auch die Freiheit zur Fortpflanzung und sogar zur Bewertung der Lebensqualität des werdenden menschlichen Lebens fallen. Die Spannung bzw. der scheinbare Gegensatz zwischen den Wertvorstellungen »verantwortliche Elternschaft« und »Entscheidungs- oder Wahlfreiheit « charakterisiert dabei einen Hauptstrang der verschiedenen Diskussionen, die sich um die vielfältigen ethischen Probleme entzündet haben, in denen die Beziehung zwischen Schwangerer und Embryo eine zentrale Rolle spielt. Die Frage nach dem evaluativen Stellenwert von Behinderungen und Krankheiten einerseits sowie dem Recht auf Leben für menschliche Individuen in allen Entwicklungs- und Lebensphasen andererseits macht einen weiteren Strang dieser vielschichtigen Debatte aus (in diesem Kontext ist der Beitrag von Alderson hervorzuheben, die versucht hat, die möglichen diskriminierenden Auswirkungen von Indikationslisten oder Screenings auf Menschen zu ermitteln, die von den auf diesen Listen erfassten Krankheiten bzw. Behinderungen betroffen sind – eine Vermutung, die in Deutschland gegenwärtig im Kontext der Erörterung der Präimplantationsdiagnostik eine Rolle spielt).

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