Medizin und Ökonomie

Ausgabe: 2/2002
(nur Online verfügbar)

48. Jahrgang

Dan E. Beauchamp/Bonnie Steinbock, New Ethics for the Public´s Health, New York (Oxford University Press) 1999, 382 Seiten.

Marckmann, Georg

Auch in Deutschland scheint »Public Health« inzwischen immer mehr an Boden zu gewinnen. Es ist deshalb sicher an der Zeit, auch über die ethischen Implikationen nachzudenken, die eine populationsorientierte Perspektive auf Gesundheit und Krankheit mit sich bringt. Genau dieses Ziel verfolgen die beiden amerikanischen Autoren Dan E. Beauchamp (Public-Health-Experte) und Bonnie Steinbock (Philosophin), die in ihrem Sammelband »New Ethics for the Public’s Health« Aufsätze aus den letzten drei Jahrzehnten zum Thema »Public Health und Ethik« zusammengestellt haben. Das Buch ist dabei interdisziplinär angelegt und bietet deshalb einen sehr brauchbaren Einstieg nicht nur in die ethischen, sondern auch in die methodischen Fragestellungen der Disziplin »Public Health«. Nach Auffassung von Beauchamp und Steinbock kann Public Health am ehesten als eine bestimmte Perspektive auf gesundheitliche Phänomene definiert werden: Im Vordergrund der Betrachtung stehen nicht einzelne Individuen, sondern ganze Populationen bzw. Subpopulationen. Gefragt wird nicht, was den einzelnen Menschen krank macht, sondern welche Einflussfaktoren für die Inzidenz, d. h. das Auftreten von Erkrankungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, relevant sind. Public-Health-Interventionen versuchen deshalb auch weniger auf die Risikofaktoren bei einzelnen Individuen einzuwirken, als vielmehr die Determinanten erhöhter Inzidenzraten in ganzen Populationen zu beeinflussen: Wie kann der Gesundheitszustand der Bevölkerung insgesamt verbessert werden? Dabei ist es für den Public-Health-Ansatz charakteristisch, dass diejenigen Maßnahmen, die einen relativ großen Gewinn für die Gemeinschaft bieten (bspw. in Form von verhinderten Todesfällen), für den Einzelnen in der Regel nur einen sehr geringen Nutzen (im Sinne einer minimalen Senkung des Mortalitätsrisikos) haben – ein Phänomen, das Geoffrey Rose als »Präventions-Paradox« bezeichnet.

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